Fondsgebundene Lebensversicherung

01.04.2020

Definition

Sowohl die gemischte Lebensversicherung als auch die Rentenversicherung können als fondsgebundene Lebensversicherungen abgeschlossen werden. In beiden Fällen fließen die Sparanteile in Sondervermögen (Fonds), die in unterschiedliche Wertpapiere oder in verschiedene Anlageformen (z.B. Aktien, Renten oder Immobilien) investiert werden. Diese Geldanlage nennt sich auch Investmentfonds. Auch Fondsmischungen sind möglich. Der VN kann häufig zwischen den angebotenen Fonds „switchen“ z.B. zwischen internationalen Aktienfonds und deutschen Rentenfonds. Der eventuelle Rückkaufswert entspricht der Höhe des aktuellen Fondsguthaben. Überschussbeteiligung erfolgt durch Erhöhung der Fondsanteile. Mindestbeitrag für Fondspolicen liegt in der Regel bei 25 Euro.

Produktmerkmale/­Besonderheiten

Im Gegensatz zu einer klassischen Lebensversicherung hat eine unterjährige Zahlungsweise bei der FLV für den Versicherungsnehmer keine negative Auswirkung. Da die vollen Sparanteile in ein Sondervermögen fließen, erleidet der VR keinen Zinsverlust. Durch den Durchschnittskosteneffekt (Cost-Average-Effekt) ist eine monatliche Zahlungsweise sogar vorteilhaft, da so durch Preisschwankungen erfahrungsgemäß ein günstiger Kaufpreis erreicht wird. Bei der fondsgebundenen Lebensversicherung hat der Kunde die Möglichkeit, hohe Renditechancen zu erwirtschaften. Zusätzlich kann er bei den meisten Gesellschaften seine Anlageformen selber auswählen und beliebig verändern, es kann z.B. zwischen Investmentfonds getauscht werden, sogenanntes Switchen oder Shiften. In der Regel sind diese Wechsel kostenlos und steuerlich unschädlich. Ein Verkauf einer Aktie löst z.B. keine Versteuerung des Gewinns aus. Außerdem zahlt der Kunde keine Steuern auf Zinsen und Dividenden in der Ansparphase. Ist eine garantierte Todesfallsumme vereinbart, so muss diese mindestens 60 % der Beitragssumme erreichen. Fondsguthaben zählt als Sondervermögen, dieses ist somit bei Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt.

Unterschied zu herkömmlichen Lebensversicherungen

Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen wird das eingezahlte Geld in Investmentfonds angelegt ohne Garantiezins, bei Herkömmlichen wird das eingezahlte Geld sicher angelegt, sodass ein Garantiezins gewährleistet ist. Auch bei dem Kostenfaktor gibt es einen Unterschied. Bei einer fondgebundenen Lebensversicherung ist mit höheren Kosten durch Posten wie Fondsmanagement oder Fondkosten zu rechnen. Bei fondsgebundenen LV kann der in der Regel nur der vereinbarte Todesfallschutz garantiert werden.

Zielgruppe

Gerade für jüngere Leute ist die fondgebundene Lebensversicherung eine mögliche Alternative, denn bei dieser Art von Geldanlage sollte eine lange Laufzeit erfolgen, um das Risiko, Verluste einzubüßen geringer zu halten. Gerade in der Anfangsphase werden sämtliche Kosten berechnet, die sich natürlich auch stark auf die Anlage auswirken, sodass man z.B. nach drei Jahren 3600 Euro eingezahlt hat, aber nur 2500 Euro auf dem Konto sind. Ansonsten ist es eine interessante Variante mit einer Chance auf hohe Rendite für VN mit einer hohen Risikobereitschaft.

Was muss der Kunde beachten?

Der Kunde sollte Kosten vergleichen, da Abschlussgebühren, Verwaltungskosten und Fondskosten bei Versicherungen unterschiedlich hoch ausfallen können. Außerdem sollten die Fondsauswahlmöglichkeit bei den Versicherungen geprüft werden, gute Versicherungen aktualisieren Ihre Fondsauswahl regelmäßig. Die bestehenden Fondsanlagen sollten regelmäßig überprüft werden, um gegebenenfalls umzuschichten. Auch die geplante Laufzeit sollte nicht unterschritten werden, um einen höchstmöglichen Gewinn zu erreichen.

Vorteile

Der Kunde hat bei keiner anderen Lebensversicherung so hohe Renditechancen, wie bei der fondsgebundenen LV. Mit einem Fondsmanager kann der Versicherungsnehmer in für ihn sehr komplexe Anlageprodukte investieren. Außerdem kann mit einem geringen Betrag in mehrere Fonds investiert werden. Z.B. sind mit 50 Euro mon. bis zu 10 Fonds möglich, bei einem Fondssparplan sind in der Regel 25 Euro pro Fond üblich.

Nachteile

Der Versicherungsnehmer allein trägt das Risiko, Verluste einzufahren. Außerdem können auf den VN hohe Abschluss-, Verwaltungs- und Fondskosten zukommen. Des Weiteren hat der Kunde bei einer fondsgebundenen LV keine garantierte Versicherungssumme, im schlechtesten Fall kann der VN alles verlieren. Somit ist eine verlässliche Planung schwierig, da man nicht vorhersagen kann, wie sich der Investmentfond entwickelt.

Bedeutung am Markt

Die Anteile der FLV sind in den letzten Jahren zunehmend gestiegen, dies ist aufgrund des Niedrigzinsumfeldes und des geringen Garantiezinses bei herkömmlichen Lebensversicherungen zurückzuführen. Der Marktanteil der Fondpolicen in Deutschland mit laufender Beitragszahlung lag im Jahr 2015 bei 16 Prozent. Im Jahr 2016 lag der Marktanteil schon bei 17,4 Prozent. 2015 wurden 96 Milliarden, 2016 schon 102 Milliarden (Anstieg von 5,9 Prozent) an Kapitalanlagen für fondsgebundene Policen angelegt. (Quelle:GDV)

Fazit

Gerade in der heutigen Zeit bei sehr geringen Zinsen ist die FLV ein immer mehr aufkommendes Produkt und sicherlich auch eine Alternative zu den normalen Kapitallebensversicherungen. Es sollte jedem bewusst sein, dass im schlechtesten Fall mit hohen Verlusten zu rechnen ist. Es ist ein interessantes Zusatzprodukt, allerdings sollte man seine Rentenvorsorge vorrangig in „sicheren“ Produkten anlegen.